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Nach Razzia: Wer sollte Dopingmittel für 10 Mio Euro kaufen ¿
Sportwissenschaftler sagt: 'Bodybuilder haben Verteilerfunktion'
Sonntag, 06.02.2011
Tags: Doping
Anabolika
1 Bild Nach den vielen Razzien in letzter Zeit bei denen Lager mit Warenbestände in 2-stelliger Millionenhöhe ausgehoben wurden, stellt sich die Frage, ob die Sachen denn tatsächlich nur für Bodybuilder bestimmt sein konnten, auf die im Zuge der Diskussion nun verwiesen wird. Bei den Aushebungen muss man bedenken, dass zum Zeitpunkt des Zugriffs der Polizei lediglich das sichergestellt werden konnte, was auf Lager bereit gehalten wurde. Was regelmäßig durch Handel in Umlauf gebracht wurde, lässt sich daher nur schwer abschätzen.
Verfügt die Bodybuilding Szene überhaupt über genügend Konsumenten, die als alleinige Zielgruppe für einen Handel in dieser enormen Größenordnung in Frage kommen kann?
e110 berichtet zB. über einen Fußballspieler aus Kreisliga B eines südhessischen Verbandes, der mit Bodybuilding überhaupt nichts am Hut hat. Ihm wurde jedoch im Fitnessstudio nahegelegt seine Leistung auf dem Platz durch Ephedrin weiter zu fördern.
Der wohl prominenteste Ephedrin-Konsument im Fußball dürfte Diego Maradonna sein, der aufgrund positiven Dopingtests wegen selbigem von der WM 1994 ausgeschlossen wurde.
Wie groß das Dopingpotential im Radsport ist, dürfte durch die zahlreichen Dopingfälle, die die Tagespresse behandelte, unfraglich sein. Neben Steroiden, Wachstumshormon und Amphetaminen werden auch zu waghalsigen Methoden wie Eigenblutdoping oder Bluttransfusion mit nahestehenden Verwandten gegriffen.
Glaubt man Sportwissenschaftler Mischa Kläber von der TU Darmstadt, der über 80 Interviews mit Dopingkonsumenten und Nichtkonsumenten, Ärzten, Trainern führte, haben Bodybuilder in Fitnessstudios eine Verteilerfunktion.
Der österreichische Dopingfahnder Andreas Holzer, der in der Ermittlungsgruppe der Operation Sledge-Hammer war, bestätigt dies und erklärt: "16-Jährige in Studios werden beim Training gefragt: 'Willst du das gescheit machen oder so bleiben?'
Die Hemmschwelle beim Gebrauch von Dopingmittel ist rasant gesunken, wie uns ein Szenekundiger mitteilte. Dabei spielen insbesondere einschlägige Internetforen eine große Rolle, in denen selbsternannte Experten Ratschläge an Leute erteilen, die nicht mal im Ansatz ihre natürlichen Möglichkeiten angetastet haben.
"In diesen Foren findet sich immer irgendjemand, der den nächsten Mist ausprobiert hat und dem - in dem Fall leider - nichts Schlimmes widerfahren ist. Das reizt natürlich alle anderen gleichzuziehen, nach dem Motto `Wenn dem nix passiert, dann passiert mir ja auch nichts´".
Sportmediziner stoßen im Zuge der Forendiskussion auf taube Ohren, wenn sie vor den Langzeitfolgen wie Depressionen und Leberschäden bis hin zu Krebs warnen, die erst nach Jahren oder Jahrzehnten sichtbar werden.Fazit:
Der Kreis der Athleten, die Dopingmittel verwenden um Ihr genetischen Potential zur Vorbereitung auf Wettbewerbe, sei es im Kraft-, Rad- oder Ballsport zu erreichen, dürfte zu klein sein, um einen lukrativen Dopinghandel im zweistelligen Millionenbereich zu formen.
Vielmehr scheinen sich mehr und mehr Freizeitsportler zu dopen mit dem Hintergedanken ein sich selbstgestecktes Idealbild zu erreichen, ohne dabei zu sehr von den bisherigen Lebensgewohnheiten abweichen zu müssen.
Die Rechnung wird nicht aufgehen, denn ohne entsprechendes Umfeld aus konsequentem und langfristigem Training, einer bedarfsgerechten Ernährung sowie einem angepassten, sportlichen Lebenswandel werden die erwarteten Ergebnisse auch durch den massiven Gebrauch von Dopingmittel ausbleiben.
Der unüberlegte Griff zur Tablette und/oder Spritze wird daher lediglich Gesundheit und Geldbeutel belasten.
Begleitbeitrag im Bodybuilding Forum
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